notizblockoil

Zu gefühlten 90 Prozent schreibe ich alle meine Texte mit der Computertastatur. Zehnfingersystem statt Schreiben mit der rechten Hand. Es geht so schnell, wie ich denken kann - sozusagen Direktverbindung vom Kopf zu den Fingern. Ich schreibe kaum noch von Hand, und meine Handschrift ist für viele Leute kaum lesbar.

Nun stieß ich auf einen Artikel der New York Times, der das Schreiben von Hand aus Sicht von Psychologen und Neurowissenschaftlern beleuchtet (Konnikova: What’s Lost as Handwriting Fades). Demnach unterstütze das Schreiben von Hand in besonderem Maße die Lernfähigkeiten von Kindern, unter anderem deshalb, weil von Hand geschriebene Buchstaben immer wieder anders aussehen. Es zeuge von einer Lernleistung, auch in abweichenden Formen den gleichen Buchstaben zu erkennen. Der Artikel erwähnt auch eine Studie, derzufolge Kinder, die Texte von Hand schrieben, nicht nur schneller mehr Wörter produzierten, sondern auch mehr Ideen einbauten. Es wirke sich auch auf die Leistungen von Studenten aus, ob sie in Vorlesungen von Hand mitschreiben oder mit der Computertastatur.

Was mich an meinen Vater erinnert. Er sagte meinen Geschwistern und mir immer, dass es gut wäre, für die Schule Spickzettel zu schreiben. Es war nicht als Aufforderung zum Betrug zu verstehen. Wir sollten natürlich nicht in der Klassenarbeit vom Spickzettel abschreiben. Mein Vater glaubte aber daran, dass wir schon allein durch das Aufschreiben besser lernen würden. Er sagte immer: "Was man hört, behält man für eine Weile im Kopf. Was man liest, noch länger. Und was man selbst aufschreibt, das behält man am längsten."

Es ist schließlich auch eine Denkleistung, so einen Spickzettel zu schreiben. Man muss sich Gedanken über den Stoff machen. Muss auswählen, welche der Inhalte am wichtigsten sind, damit auf dem kleinen Zettel kein Platz verschenkt wird. Für mich hat sich der Spickzettel immer da bewährt, wo es auf Faktenwissen ankam. Meine komprimierten Versionen des Lernstoffes habe ich nicht nur von Hand geschrieben, sondern auch noch kurz vor Prüfungen erfolgreich auswendig gelernt.

Wenn ich heute noch zu 10 Prozent von Hand schreibe, dann sind das vor allem Listen: Einkaufszettel, Bahnverbindungen, To-Do-Listen, Gliederungsideen.

Es gehören aber auch Notizen dazu, die ich in Besprechungen schreibe. Ich finde, dass ich konzentrierter zuhören kann, wenn ich mitschreibe. Und mit Kuli oder Bleistift fange ich meistens meine kreativen Texte an, Gedichte zum Beispiel.

Vielleicht schreibe ich doch mehr von Hand, als mir bewusst ist. Da könnte ich mal drauf achten ;-)

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