"Gratwanderung" lautet das erste Wort im Projekt *.txt. Bei diesem Projekt von Dominik Leitner (www.neonwilderness.net) wird alle drei Wochen ein Wort "gezogen" und alle teilnehmenden Autorinnen und Autoren haben drei Wochen Zeit, um einen Text zu veröffentlichen. Ob nun eine Geschichte, einen Brief, ein Gedicht, ein paar Zeilen, was auch immer. Hauptsache man schreibt. Hier gibt's die Projektankündigung *.txt 

Und hier mein Gedicht. Ja, ein Gedicht - warum nicht?

 

Gratwanderung

Ich wandere auf schmalem Grat

Ein Wandervogel auf Maschendraht

Nach Links schielen

Nach Rechts zielen

Im Gehen entsteht mein Pfad

 

Im Hinterland ruhige Milde

Im Vordergrund Wolkengebilde

Steiler Abhang nadelholzschwer

Unten vermutlich ein Meer

Mein Leben erwandert zu Fuß sich das Wilde

 

Auf solchem Grat wandern!

Davor warnen die andern

die sich in Sicherheit wiegen

die niemals träumen vom Fliegen

Ach, lasst sie weiter mäandern!

 

Doch bin ich ehrlich

Gratwandern ist gefährlich

Füße und Hände ertasten die Welt Schritt für Schritt

Augen bewachen jeden einzelnen steinigen Tritt

Meine Sinne sind unentbehrlich

 

Will mein Herz jetzt verzagen

Werd' ich den Absprung wieder nicht wagen

Abseitige Aussichten im Blick

Absurdes Gerede von Glück

Doch der Grat wird mich Tragen

 

 

Dass ein "erdrutschartiger Sieg" eigentlich einem Bild der Verwüstung entspricht, darauf wäre ich von selbst gar nicht gekommen. Die Formulierung ist wie viele Floskeln bereits so verbreitet, dass sie schon nicht mehr hinterfragt wird. Ein bisschen Nachdenken ist beim Schreiben angebracht, das macht die Seite www.floskelwolke.de von Udo Stiehl und Sebastian Pertsch deutlich.

Die beiden freiberuflichen Nachrichtenredakteure haben Formulierungen zusammengetragen, die abgedroschen, verharmlosend, unpräzise, überflüssig oder schlichtweg falsch sind und damit journalistischen Maßstäben nicht genügen. Solche Phrasen tauchen recht häufig in unseren Medien auf. In dem "Nachrichtengiftschrank" der Webseite sind die einzelnen Formulierungen aufgelistet, dazu gibt es eine kurze Erklärung, was sie zur Floskel macht.

Erdrutschartig ist eine Floskel - Text als Bild

Für die Floskelwolke lassen Stiehl und Pertsch mithilfe einer Programmierung rund 1.600 Domains analysieren, Websites von Zeitungen und Magazinen, Radio- und Fernsehsendern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Daraus werden zweimal täglich die aktuellen Top-Floskeln generiert. Die Wolke macht sichtbar, welche Floskeln, Phrasen, Formulierungen sich in den Medien halten und verbreiten.

Die CSV-Daten und Floskelwolken stehen auf der Webseite zum Download bereit - und zusätzlich auch ein Floskel-Phrasen-Bullshit-Bingo mit 100 Floskeln, Phrasen, Formulierungen.

Floskeln als Begriffewolke

notizblockoilIch tippe ja dermaßen viel in die Tastatur, dass ich beim Gedanken an meine Handschrift Stirnrunzeln bekomme. So wie meine Grundschullehrerin früher. Denn meine Buchstaben- und Linienführung war schon immer sehr wacklig. Da half kein noch so guter Tintenfüller. Die vielen Kulis, die ich seither benutze, haben meine Schrift auch nicht verbessert. Wenn ich mal eben schnell etwas notiere, dann kann es außer mir niemand lesen. In manchen Fällen ist das praktisch. In anderen nicht.

Seit einigen Jahren wird diskutiert, ob Schülerinnen und Schüler heute besser zuerst eine Druckschrift schreiben lernen und danach ihre Schreibschrift "mit Schwung" entwickeln. Näheres über Hintergründe und Argumentationen sowie Beispiele der Schriften kann man auf der Webseite www.die-grundschrift.de nachlesen. Eins der Hauptargumente dafür ist, dass diese Schrift der gedruckten "Leseschrift" ähnlich ist. Das erleichtert den Schritt vom Lesen zum Schreiben und umgekehrt. Außerdem sei dieses Konzept hilfreich für einen inklusiven Unterricht.

Ich könnte mir vorstellen, dass sogar ich mit etwas Übung meine Handschrift wieder verbessern und lesbarer machen könnte (siehe Schreibübungen der Medienwerkstatt-Münster). Besser wäre es. Denn neulich wollte ich mir mal meine Schreibschrift als Font erstellen. Das ermöglichen zum Beispiel die Webseiten Myscriptfont.com und www.paintfont.com - man druckt sich dazu eine Vorlage aus und schreibt die einzelnen Buchstaben in seiner eigenen Schrift. Und das ist bei mir herausgekommen:

Schriftproben-myfont

Es ist natürlich schwer, einzelne Buchstaben mit Schwung zu schreiben und keine ganzen Wörter oder Sätze. Aber: Wer schön schreiben kann, mit ruhiger Hand, ist bei diesen Programmen klar im Vorteil.

Mir fällt übrigens auf, dass ich wohl den umgekehrten Weg gegangen bin: von der Schreibschrift zur Druckschrift. Nur wenige Buchstaben wie A, D, F und G haben noch die Kringel aus der Schreibanfangszeit. Nun ja, deshalb wird das Abendland schon nicht untergehen.

Kleines Update am 21.12.2015 nachdem ich auf zwei interessante Links stieß:

 

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