Ausschnitt Seilbrücke mit Holztrittflächen grün-blauer Hintergrund

"Nicht betreten! Lebensgefahr!" stand auf einem kleinen Schild, das auf dem Boden vor der alten Hängebrücke lag. Margit glaubte, den Abdruck eines schlammig-erdigen Schuhs auf dem Warnhinweis zu erkennen. Hier schaute wohl schon lange niemand mehr nach dem Rechten. Von der anderen Seite der Schlucht schienen Stimmen zu grüßen, vielleicht juchzende Kinder im Spiel. Und der Wind trug den Duft von einem Lagerfeuer zu ihrer Nase. Die Brücke war alt. Margit schätzte ihre Länge auf knapp 20 Meter, die Höhe schien ihr unergründlich. Irgendwo da unten war ein Fluss, das wusste sie. Aber sie sah nur Felsen und grünes Gestrüpp. Die Holzbretter, die der Hängebrücke einmal als Trittfläche gedient hatten, waren möglicherweise morsch. Weiter vorn fehlte sogar ein Brett, bemerkte Margit. Sie konnte auf jedem Meter durchbrechen. Und niemand würde es bemerken. Die Halteseile, grau und verwittert, schienen gerade mal das sanfte Schwingen auszuhalten, das irgendwelche Winde auslösten. Nichtsdestotrotz setzte sie ihren Fuß auf das erste Holzbrett der Brücke. Es gab nur diesen Weg.

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Mein Beitrag zum ersten Wort 2016 im Projekt *.txt - "Nichtsdestotrotz".

 

"Herausforderung" ist ein schönes Wort. Etwas fordert mich, aus mir herauszugehen, mich anzustrengen und zu zeigen, was in mir steckt. Im vergangenen Jahr war meine Teilnahme am Projekt *.txt so eine Herausforderung. Ich habe regelmäßig kreative Texte verfasst, mal Gedichte, mal nachdenkliche Prosa, mal Schreibtipps. Ich bin stolz, dass ich das Jahr über dabei geblieben bin.

Die 17 Wörter aus dem Jahr 2015, jeweils verlinkt mit meinen Beiträgen:

Dominik Leitner führt sein Projekt txt 2016 fort und zieht jetzt jeden ersten Mittwoch im Monat ein neues Wort. Auch ich möchte weitermachen, allerdings kombiniert mit neuen Herausforderungen:

  • Ich möchte dieses Jahr die Würze der Kürze schmecken und entdecken. Das heißt, dass ich die ganz kurze Form wähle. Ich möchte Ein-Satz-Stories schreiben.
  • Ich möchte außerdem herausfinden, ob ich Lieder schreiben kann.

Schaun mer mal. Das neue Wort ist übrigens nichtsdestotrotz.

 

 

Die Jahreszahlen 2015 und 2016 mit Sternen und Silvesterknallern

Meinen letzten Beitrag in diesem Jahr zum Projekt *.txt wollte ich in aller Seelenruhe, in den Urlaubstagen vor Weihnachten, dann an den Feiertagen, dann zwischen den Jahren schreiben. Was schwirrte mir da alles durch den Kopf... Überraschende Satzfetzen wie "Es ist die Ruhe vor dem Fest" oder "im Ruhestand saß er im Ruhesessel" oder "auf meinem Ruhekissen will ich gar nichts wissen". Dann wollte ich über die Abwesenheit von Ruhe schreiben. Darüber, dass Ruhe nicht ohne ihr Gegenteil denkbar ist: Lärm, Radau, Unruhe des Herzens...

Doch jetzt ist Silvester, 20 Uhr, es ist ruhig. Die Arbeit in der Küche ist getan, das Backwerk darf erkalten. Ich schreibe einfach den letzten Blogeintrag für dieses Jahr. Zum Abschluss: ganz ruhig.

Die Ruhe wird deutlich, weil ich nur vereinzelte Silvesterknaller höre. Zwischen diesen Knallern gibt es lange Intervalle der Stille. So ist das: Ruhe, Kracher, Ruhe, Kracher. Ist Okay. Ich bin ja sowas von seelenruhig.

Ich weiß, dass es nachher viel lauter wird, und die Intervalle der Stille viel kürzer - bis der Höhepunkt des Abends erreicht wird, Mitternacht, Null Uhr. Ein kurzer Moment nur, um das alte Jahr ganz gehen zu lassen. Und dann der kurze Moment, den wir ausdehnen, um das Jahr 2016 mit Ehrfurcht zu begrüßen. Das Neue. Ich freu mich drauf, in aller Seelenruhe.

Happy New Year!

 

 

 

 

 

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