Gedichte

  • abgrundtief [*.txt]

    Menschen spiegeln sich unerkennbar in Straßenbahnfenster

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    atme

    in deine augen schauen
    in deine seele tauchen
    dunkelheit
    und atemzüge
    schweren herzens

     

    kein wort erlauben
    nicht mal flüstern
    stille
    und atemzüge
    schweren herzens

     

    in die seele lauschen
    dumpfes rauschen
    taubheit
    und atemzüge
    voller sehnsucht

     

    der abgrund in mir
    sieht den abgrund in dir
    in ruhe
    atme
    viele atemzüge noch

     

    ____

    Dies ist mein Beitrag für das dritte Wort "abgrundtief" im Projekt *.txt.Mehr zum Projekt, den bisherigen Worten und Beiträgen steht bei neon wilderness.

  • Balkonsommer und Glück [*.txt]

    Blauer Himmel, Hummel an Bluete, Baum im Hintergrund

    Balkonsommer

    Die einzelne Schweißperle,
    die in deine Augenbraue rinnt
    und die du mit dem Finger reibst.
    Wind streichelt meine Haut
    und kühlt ebenso wie das Stück Wassermelone,
    das ich kauend zu Saft verwandele,
    während Grillduft das Fest des Nachbars ankündigt.
    Die Prunkwinde, die tagsüber am Bambusstab weiter nach oben kletterte,
    beginnt nun ihre lila Blüten zu schließen.
    Doch die Hummel macht einfach weiter.
    Das ist ein Leben.

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    Das ist mein neuer Beitrag zum Projekt *.txt vom neon-wilderness Blog, genauer zum zehnten Wort "Glück".

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  • Bleiben oder gehen

    Bleiben oder gehen

    fragend in der Sonne stehen

    eine Trauerweide gibt dir Halt

     

    Bleiben in bekannten Kreisen

    im Planet Vergangenheit

    wandeln sich die Keime

     

  • Dein Leben [*.txt]

    Menschengruppe spaziert auf einem Weg

    Dein Leben

    ist dein Leben

    weil es dir gehört

    mit allen Konsequenzen

    du hast es in der Hand

    du bist verantwortlich

    du lebst es

    oder nicht?

     

    Mein Leben

    ist meins

    es gehört zu mir

    mit allem, was dazu gehört

    ich nehme es in die Hand

    übernehme die Verantwortung

    ich lebe mein Leben

    wer sonst?

     

    Unser Leben

    sind wir

    wir leben zusammen

    und auch wieder allein

    wir nehmen uns an die Hand

    und lassen wieder los

    wir teilen die Verantwortung

    und bleiben frei

    im Leben

     

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    Dies ist ein weiterer Beitrag zum Projekt *txtvon Dominik Leitner, das mich dieses Jahr begleitet bzw. an dem ich schreibenderweise teilnehme. Das entsprechende sechste Wort lautete Dein.

    Übersicht aller Worte und Beiträge zum Projekt bei Dominik auf Neon Wilderness.

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  • Gar nicht so einfach

    Gar nicht so einfach, wenn man mal keine Ideen für ein Gedicht hat. In vielen Fällen hilft dann die Gedichtform Akrostichon, auf gut deutsch Leistenvers. Dabei ergeben die Anfangsbuchstaben der Verszeilen von oben nach unten gelesen ein Wort oder einen Satz. Zum Ausprobieren empfehle ich die Buchstaben des eigenen Vornamens je in eine Zeile zu schreiben, und dann mal schauen, welche Worte einem hinzufliegen.

  • Gib Acht auf die Lärche im Hinterhof [*.txt]

    Taube im Zweig einer Lärche

    Gib Acht auf die Lärche im Hinterhof

    Gib Acht auf die Lärche im Hinterhof.
    Die stattliche Herberge vieler Seelen.
    Zweige wiegen im Frühlingswind.

    Im Baumwipfel oben mit Gekräh und Gehabe
    beansprucht sein Revier der Kolkrabe.
    Doch inmitten des Gezweigs ohne Eile
    gurrt vornehm die Ringeltaube für eine Weile.
    Und ganz hinten entdeckt fern vom Nest
    der Jungspecht von Buntspechts das Geäst.
    Dann herrscht Unfug durch eine Meisenbande
    die kreuz und quer hüpfen – und imstande
    sind, kopfüber an jungen Trieben zu picken,
    mal hier, mal dort, und wieder fort, als wär's ein Sport.
    Ein Mönchsgrasmück verdreht den Kopf
    und zeigt uns seinen schwarzen Schopf.
    Derweil ganz unten auf einer Wurzel am Baumstamm sitzt
    ein Hausrotschwanz und zittert und knickst
    und schickt sich an zu singen.
    Bald hört man sein Lied erklingen.
    Während sich emsige Hummeln
    ungestört an den Zweigen tummeln,
    lässt sich eine Spinne am seidigen Faden
    durch den Wind ganz woanders hin tragen.
    Auf einmal fliegt der Rabe los
    und kräht ganz laut und ganz famos
    Krahkrahkrah, ich bin da,
    ich bin da, Krahkrahkrah

    Gib Acht auf die Lärche im Hinterhof.
    Die stattliche Herberge vieler Seelen.
    Zweige wiegen im Frühlingswind.

    Du darfst lächeln.

    ---

    Eine nette Idee von Dominik, als achtes Wort im Projekt *.txt "acht" bzw. "Acht"zu wählen. Ich habe mir eine schöne Wörterliste angelegt, von "achtsam" über "achtern" bis "Achtung" und verweilte eine Weile bei "gib Acht auf Dein Herz". Den Reim auf Schmerz wollte ich mir aber ersparen. Die Lärche habe ich jeden Tag vor Augen – da lässt sich nicht nur im Frühling vieles beobachten: Hat Spaß gemacht und alles im Gedicht hat sich übrigens wirklich so zugetragen! Nachtrag: Es könnte allenfalls sein, dass unsere Hinterhoflärche gar keine Lärche ist, sondern eine Blauzeder ;-)

    (Bild: J.K.)

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  • Gratwanderung [*.txt ]

    "Gratwanderung" lautet das erste Wort im Projekt *.txt. Bei diesem Projekt von Dominik Leitner (www.neonwilderness.net) wird alle drei Wochen ein Wort "gezogen" und alle teilnehmenden Autorinnen und Autoren haben drei Wochen Zeit, um einen Text zu veröffentlichen. Ob nun eine Geschichte, einen Brief, ein Gedicht, ein paar Zeilen, was auch immer. Hauptsache man schreibt. Hier gibt's die Projektankündigung *.txt 

    Und hier mein Gedicht. Ja, ein Gedicht - warum nicht?

     

    Gratwanderung

    Ich wandere auf schmalem Grat

    Ein Wandervogel auf Maschendraht

    Nach Links schielen

    Nach Rechts zielen

    Im Gehen entsteht mein Pfad

     

    Im Hinterland ruhige Milde

    Im Vordergrund Wolkengebilde

    Steiler Abhang nadelholzschwer

    Unten vermutlich ein Meer

    Mein Leben erwandert zu Fuß sich das Wilde

     

    Auf solchem Grat wandern!

    Davor warnen die andern

    die sich in Sicherheit wiegen

    die niemals träumen vom Fliegen

    Ach, lasst sie weiter mäandern!

     

    Doch bin ich ehrlich

    Gratwandern ist gefährlich

    Füße und Hände ertasten die Welt Schritt für Schritt

    Augen bewachen jeden einzelnen steinigen Tritt

    Meine Sinne sind unentbehrlich

     

    Will mein Herz jetzt verzagen

    Werd' ich den Absprung wieder nicht wagen

    Abseitige Aussichten im Blick

    Absurdes Gerede von Glück

    Doch der Grat wird mich Tragen

     

     

  • grübchen [*.txt]

    du bist schwer mutig

    während du mich befragst
    nach meinem leben
    während ich dich ansehe
    und von mir erzähle
    entdecke ich ein grübchen
    in deinem gesicht

    eine kleine kerbe
    sie war vorher nicht da
    nahe deines mundes
    etwas rechts davon

    und während du mich befragst
    mir zuhörst und mich mit
    blicken traktierst
    die mir keine chance geben
    nach dir zu fragen
    nach deinem leben
    verstehe ich die kerbe

    du beißt die Zähne zusammen
    in tapferen momenten
    schluckst den bitteren geschmack
    des überlebens
    einfach...
    – nein, nicht so einfach –
    ...herunter

    du bist schwer mutig

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    Ein wenig in Verzug diesmal mein Beitrag zum Projekt *.txt vom neon-wilderness Blog: Dies hier ist das elfte Wort "Schwermut" - vielleicht brauchte es ja den Herbst, um in die richtige Stimmung zu kommen. Mehr zum Projekt, siehe unter http://neonwilderness.net/2015/08/05/das-elfte-wort-txt/

  • Kreative Texte

  • Mal wieder Frühling

    Blume-blauerHimmel-zweiVögel

    Ich werde mal wieder

    von vorne beginnen

    den Anfang suchen

    vom großen Kuchen

    und schmecken nach Innen

    und recken die Glieder

  • Man braucht so seine Herausforderungen...

    "Herausforderung" ist ein schönes Wort. Etwas fordert mich, aus mir herauszugehen, mich anzustrengen und zu zeigen, was in mir steckt. Im vergangenen Jahr war meine Teilnahme am Projekt *.txt so eine Herausforderung. Ich habe regelmäßig kreative Texte verfasst, mal Gedichte, mal nachdenkliche Prosa, mal Schreibtipps. Ich bin stolz, dass ich das Jahr über dabei geblieben bin.

    Die 17 Wörter aus dem Jahr 2015, jeweils verlinkt mit meinen Beiträgen:

    Dominik Leitner führt sein Projekt txt 2016 fort und zieht jetzt jeden ersten Mittwoch im Monat ein neues Wort. Auch ich möchte weitermachen, allerdings kombiniert mit neuen Herausforderungen:

    • Ich möchte dieses Jahr die Würze der Kürze schmecken und entdecken. Das heißt, dass ich die ganz kurze Form wähle. Ich möchte Ein-Satz-Stories schreiben.
    • Ich möchte außerdem herausfinden, ob ich Lieder schreiben kann.

    Schaun mer mal. Das neue Wort ist übrigens nichtsdestotrotz.

     

     

  • Nackte Sätze [*.txt]

    ABC-Grafik

    Das ist ein Satz.
    Nackt und bloß. Schnörkellos.
    Nur Subjekt, Verb, Objekt
    verpackt darin. So nackt.

    Aber das da!
    Also, das ist schließlich
    – ohne wenn und aber –
    auch ein schöner, netter Satz,
    Wort für Wort korrekt am Platz,
    und sozusagen weitere Elemente,
    mit Adjektiven und Adverbien
    und Kommata und dies und das,
    ganz nebensächliche Momente,
    nebensätzeweise Nebelsätze
    obendrein, die dich knebeln,
    und auch wer mit Geduld
    dies liest und nicht versteht,
    ist selber schuld (wirklich?),
    weil, wer am Ende nicht mehr weiß,
    was der Satz zur Aussage bringt,
    und wer alsobald um Fassung ringt,
    fliegt aus dem Takt,
    den ihm der Schreiber vorgegeben,
    ganz nackt
    bleibt er zurück
    oder versucht erneut sein Glück,
    und liest vom ersten Wort zum zweiten Wort
    und so weiter und so fort,
    und doch – vielleicht auch nicht,
    denn Lesen muss sich lohnen
    und darum sollst du Leser schonen:
    Schreibe besser einen kurzen Satz.
    Nackt und bloß. Schnörkellos.

    ---

    Wir sind mittlerweile beim neunten Wort im Projekt *.txt angelangt: nackt. Ich bin stolz, dass ich bisher zu jedem Wort etwas verfasst habe, und finde es spannend, wozu wir Mitwirkenden inspiriert werden. Bis Ende des Jahres werden es 17 Wörter sein, zu denen Beiträge ganz unterschiedlichster Art verfasst wurden.

    Zum Einlesen:

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  • NaPoWriMo und [*.txt]

     Wurst

    gleich

    gleich

    gleich

    gleich

    schwarz

     

    gleich

    gleich

    gleich

    weiß

     

    gleich

    gleich

    gleich

    wurst

     

    gleich

    gleich

    gleich

    käse

     

    gleich

    ist

    nicht

    gleich

     

    gleich

    gleich

    gleich

    egal

    ---

    Was soll denn das sein? Frau Grupp schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Ein Gedicht und Beitrag zum 5. Wort vom Projekt [*.txt]von Dominik Leitner. Ich habe mich auch für den NaPoWriMo eingetragen. Letzteres verlangt, dass ich im Monat April 30 Gedichte schreibe, quasi jeden Tag eins. Eine Herausforderung. Insoweit praktisch, wenn ich enen Beitrag für beide verwenden kann. biggrin

     

  • Rausch [*.txt]

    Frauengesicht lächelnd, fliegende Haare

    Riesenrummelraketenwürmernocheinmal - Was für ein Zeugs ist das denn?

    Augenaufaubackeundauauweia - Boah, das hab ich ja noch nie erlebt!

    Uppsallallauffbasseuiiiiiuiiiiuiuiui - So eine Narretei!

    Schuaahaaaahuuuhaaaahhhaaa - Mei, Ist das lustig hier.

    CHa cha cha - Ich will jetzt tanzen mit dir und dann...

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    Nicht ganz ernst gemeinter Nachzügler-Beitrag zum zwölften Wort "Rausch" im Projekt [*,txt], nur weil ich doch gerne eigentlich zu allen Wörtern gerne etwas geschrieben haben wollt... Details zum Projekt finden sich unter http://neonwilderness.net/2015/08/29/das-zwoelfte-wort-txt/

    Mein "Gedicht" ist übrigens ein Akrostichon, und das finde ich immer praktisch zum Einsteigen ins Schreiben bzw. in ein Schreibthema - oder wenn einem mal wenig bis nichts einfällt.

  • Strandbad-Gedicht (Fundstück)

    Flussufer-Kieselstrand

    Sonnenschein Wolkenheim
    bring vom Rhein
    mir den Stein

    Wellengang heller Klang
    Kiesel mein
    sing vom Rhein

    Kieselmein riesel fein
    mit dem Sand
    aus der Hand

    Wellengang heller Klang
    aus dem Sand
    aus der Hand

    ---

    Das ist ein Beispiel dafür, warum es gut ist, alte Notizbücher durchzublättern, bevor man sie eventuell entsorgt. Ich fand nämlich so mein Strandbadgedicht wieder. Es entstand vermutlich 2008 oder 2009, als ich am Rhein die Seele baumeln ließ. Etwas über das Strandbad Mannheim findet sich hier und hier.

     

  • Tanzstunde [*.txt]

    Strichzeichnung Mann und Frau tanzen

    Tanzstunde

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